1 Einleitung
Die Partei DIE LINKE zählt gegenwärtig zu den wenigen strategischen Akteuren in der deutschen Parteienlandschaft. Die Union strebt aus einer Position der Stärke heraus nach einem Ausweg aus der Großen Koalition mit der SPD, nach einer neuen kleinen Zweier-Koalition mit der FDP. Auf dem Weg wird die christdemokratische Programmatik für neue, urban geprägte Wählerschichten modernisiert, um so auf der Basis gewachsener eigener Stärke im nächsten Bundestag zwischen möglichst vielen Koalitionspartnern wählen zu können.
Das größte Hindernis auf dem Weg zu einer neuen ‚bürgerlichen Koalition’ bildet die parlamentarische Existenz der LINKEN. Bereits 2005 verhinderte ihr Einzug in den Bundestag eine schwarz-gelbe Mehrheit und ermöglichte so der SPD eine weitere Legislaturperiode auf der Regierungsbank. Gleichzeitig eröffnete dieser Wahlausgang die Aussicht auf ein mehrere Legislaturperioden währendes Fünf-Parteien-Parlament. Dieser Einbruch in die traditionelle westdeutsch dominierte Lagerbildung nötigt alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien, sich in ein Verhältnis zur LINKEN zu setzen, bei ihren eigenen strategischen Überlegungen die LINKE auf der Rechnung zu haben – und zwar nicht nur aus koalitionspolitischen Überlegungen. Denn 2005 wurden sowohl Gerhard Schröders Agenda-SPD als auch Angela Merkels ‚Leipziger Bierdeckel-CDU’ nicht so gewählt, dass sie ihre jeweils bevorzugte Koalition bilden konnten.
Der Wahlerfolg der LINKEN wurde erreicht dank einer ‚günstigen Gelegenheitsstruktur’. ‚Agenda 2010’ und ‚Hartz IV’ wurden von großen Teilen der Bevölkerung als Abschied der regierenden Sozialdemokratie von ihrer traditionellen Rolle als ‚Schutzmacht der kleinen Leute’ wahrgenommen. Sie wurden als mutwilliger Bruch mit 40 Jahren sozialstaatlicher Tradition und als massiver Angriff auf die ‚Würde der Arbeit’ verstanden. Zugleich wetteiferte die Opposition mit der Regierung darum, wer noch härtere ‚Reformen’ durchzuführen bereit wäre. Die aufgebrochene Vertretungslücke wurde durch die Rückkehr von Gregor Gysi und Oskar Lafontaine in die aktuelle Politik personell glaubwürdig gefüllt. Die vorwiegend ostdeutsche PDS verfügte über das organisatorische Gerüst für einen erfolgreichen Wahlkampf mit der vorwiegend westdeutschen Gerechtigkeit(WASG). Keine noch so kluge Strategie der PDS oder der WASG hätte diese Gesamtkonstellation herbeiführen können, aber politische Dummheit hätte die Gelegenheit ungenutzt verstreichen lasseoder durch ungeschicktes Agieren verspielen können.
Der Spielraum für strategische Entscheidungen war auch nach demWahlerfolg 2005 für die LINKE entsprechend vorgeprägt, recht betrachtet also kaum vorhanden. Hätte die LINKE nicht konsequent all diejenigen klassischen sozialdemokratischen Themen aufgegriffen, von denen sich die SPD mit der Agenda-Politik verabschiedet hatte, wäre sie den Erwartungen eines größeren Teils ihrer Wählerschaft nicht gerecht geworden. Denn der Einzug der LINKEN in den Bundestag war kein Ausdruck eines Linksrucks in der Gesellschaft, sondern ein Warn- und Stoppsignal gegen die drohende Verlängerung neoliberaler Reformpolitik. Eine neue Partei aus Linkspartei.PDS und WASG zu bilden, war angesichts des Vertrauensvorschusses der Wählerinnen und Wähler ohne ernsthafte Alternative. Die nach den Bundestagswahlen von Linkspartei.PDS und WASG gestartete Kampagne für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes beförderte nicht nur das Zusammengehen der Mitglieder der beiden Parteien, sondern zeigte auch, dass die werdende Partei durch eigenes Handeln gestalten und Themen voranbringen kann und einen hohen politischen Gebrauchswert für außerparlamentarische Akteure, hier die Gewerkschaften, hat.
Das strategische Ziel von Mitte 2005, eine Partei links von der SPD dauerhaft im deutschen Parteiensystem zu etablieren, ist zwei Jahre später zur Hälfte erreicht. Mit dem Einzug in ein erstes westdeutsches Landesparlament in Bremen ist geschafft, was bis dahin weder der PDS noch einer linken Abspaltung von der SPD - so man die Grünen nicht als solche einordnet - gelang. Würden 2008 weitere vergleichbare Wahlerfolge im Westen folgen, so wäre damit unterstrichen, dass mit der LINKEN als einem machtpolitischen Faktor auch auf Landesebene zu rechnen ist. Gleichzeitig stellt die landespolitische Präsenz in den westlichen Ländern eine unverzichtbare Bedingung dafür dar, die bundespolitischen Möglichkeiten der LINKEN auszuschöpfen. Erst einer Partei, die in westdeutschen Landesparlamenten verankert ist, wird in der Bundespolitik mehr zugetraut und mehr abverlangt als die Rolle des sozialen Gewissens von SPD und CDU-Arbeitnehmerflügel.
Wahlerfolg 2005 für die LINKE entsprechend vorgeprägt, recht betrachtet
also kaum vorhanden. Hätte die LINKE nicht konsequent all
diejenigen klassischen sozialdemokratischen Themen aufgegriffen, von
denen sich die SPD mit der Agenda-Politik verabschiedet hatte, wäre
sie den Erwartungen eines größeren Teils ihrer Wählerschaft nicht
gerecht geworden. Denn der Einzug der LINKEN in den Bundestag war
kein Ausdruck eines Linksrucks in der Gesellschaft, sondern ein
Warn- und Stoppsignal gegen die drohende Verlängerung neoliberaler
Reformpolitik. Eine neue Partei aus Linkspartei.PDS und WASG zu bilden,
war angesichts des Vertrauensvorschusses der Wählerinnen und
Wähler ohne ernsthafte Alternative. Die nach den Bundestagswahlen
von Linkspartei.PDS und WASG gestartete Kampagne für die Einführung
eines gesetzlichen Mindestlohnes beförderte nicht nur das Zusammengehen
der Mitglieder der beiden Parteien, sondern zeigte auch, dass
die werdende Partei durch eigenes Handeln gestalten und Themen voranbringen
kann und einen hohen politischen Gebrauchswert für außerparlamentarische
Akteure, hier die Gewerkschaften, hat.
Das strategische Ziel von Mitte 2005, eine Partei links von der SPD
dauerhaft im deutschen Parteiensystem zu etablieren, ist zwei Jahre
später zur Hälfte erreicht. Mit dem Einzug in ein erstes westdeutsches
Landesparlament in Bremen ist geschafft, was bis dahin weder
der PDS noch einer linken Abspaltung von der SPD - so man die Grünen
nicht als solche einordnet - gelang. Würden 2008 weitere vergleichbare
Wahlerfolge im Westen folgen, so wäre damit unterstrichen, dass
mit der LINKEN als einem machtpolitischen Faktor auch auf Landesebene
zu rechnen ist. Gleichzeitig stellt die landespolitische Präsenz
in den westlichen Ländern eine unverzichtbare Bedingung dafür dar,
die bundespolitischen Möglichkeiten der LINKEN auszuschöpfen. Erst
einer Partei, die in westdeutschen Landesparlamenten verankert ist,
wird in der Bundespolitik mehr zugetraut und mehr abverlangt als die
Rolle des sozialen Gewissens von SPD und CDU-Arbeitnehmerflügel.
(WASG). Keine noch so kluge Strategie der PDS oder derWASG hätte diese Gesamtkonstellation herbeiführen können, aber politische
Dummheit hätte die Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen
oder durch ungeschicktes Agieren verspielen können.
Der Spielraum für strategische Entscheidungen war auch nach dem
Wahlerfolg 2005 für die LINKE entsprechend vorgeprägt, recht betrachtet
also kaum vorhanden. Hätte die LINKE nicht konsequent all
diejenigen klassischen sozialdemokratischen Themen aufgegriffen, von
denen sich die SPD mit der Agenda-Politik verabschiedet hatte, wäre
sie den Erwartungen eines größeren Teils ihrer Wählerschaft nicht
gerecht geworden. Denn der Einzug der LINKEN in den Bundestag war
kein Ausdruck eines Linksrucks in der Gesellschaft, sondern ein
Warn- und Stoppsignal gegen die drohende Verlängerung neoliberaler
Reformpolitik. Eine neue Partei aus Linkspartei.PDS und WASG zu bilden,
war angesichts des Vertrauensvorschusses der Wählerinnen und
Wähler ohne ernsthafte Alternative. Die nach den Bundestagswahlen
von Linkspartei.PDS und WASG gestartete Kampagne für die Einführung
eines gesetzlichen Mindestlohnes beförderte nicht nur das Zusammengehen
der Mitglieder der beiden Parteien, sondern zeigte auch, dass
die werdende Partei durch eigenes Handeln gestalten und Themen voranbringen
kann und einen hohen politischen Gebrauchswert für außerparlamentarische
Akteure, hier die Gewerkschaften, hat.
Das strategische Ziel von Mitte 2005, eine Partei links von der SPD
dauerhaft im deutschen Parteiensystem zu etablieren, ist zwei Jahre
später zur Hälfte erreicht. Mit dem Einzug in ein erstes westdeutsches
Landesparlament in Bremen ist geschafft, was bis dahin weder
der PDS noch einer linken Abspaltung von der SPD - so man die Grünen
nicht als solche einordnet - gelang. Würden 2008 weitere vergleichbare
Wahlerfolge im Westen folgen, so wäre damit unterstrichen, dass
mit der LINKEN als einem machtpolitischen Faktor auch auf Landesebene
zu rechnen ist. Gleichzeitig stellt die landespolitische Präsenz
in den westlichen Ländern eine unverzichtbare Bedingung dafür dar,
die bundespolitischen Möglichkeiten der LINKEN auszuschöpfen. Erst
einer Partei, die in westdeutschen Landesparlamenten verankert ist,
wird in der Bundespolitik mehr zugetraut und mehr abverlangt als die
Rolle des sozialen Gewissens von SPD und CDU-Arbeitnehmerflügel.
2 Renaissance des Sozialstaatlichen
Mit einem gestärkten Wiedereinzug in den nächsten Bundestag könnte
das strategische Ziel, links von der SPD eine demokratischsozialistisch
orientierte Partei zu etablieren, als erreicht betrachtet
werden. Dann dränge sich noch mehr die Aufgabe in den Vordergrund,
eine Verschiebung der politischen Achse nach links durchzusetzen,
nicht nur als Katalysator, sondern auch als Akteur für eine
andere, sozial gerechte Politik zu wirken.
3
Gegenwärtig, im Herbst 2007, erleben wir, wie sich die SPD aus den
Fesseln Schröderscher Basta-Politik zu befreien versucht: Korrekturen
seien möglich, der Einsatz in der SPD auch für Linke lohnenswert.
Diese Notbremse hätte die SPD sicherlich auch ohne den Druck
einer erstarkten LINKEN gezogen, da diese nicht die Ursache für den
Wählerschwund bildete, sondern lediglich die politische Zuflucht für
einen Teil ehemaliger sozialdemokratischer Wähler. Die Renaissance
des Sozialstaatlichen, die sich in den Modernisierungsbestrebungen
beider großer Volksparteien wieder findet, hat dagegen viel mit der
Existenz der LINKEN zu tun. Denn die Schlussfolgerung aus dem Wahlergebnis
2005 lautet für SPD wie CDU, dass sich ohne ein gerüttelt
Maß an wahlpolitischer Zustimmung aus den sozialstaatlich orientierten
Mittel- und Unterschichten der Gesellschaft keine ‚eigenen Mehrheiten’
mehr gewinnen lassen werden. Sofern der LINKEN in diesen
Wählerschichten eine Wiederholung, gar ein Ausbau ihres Erfolges gelingt,
wäre voraussichtlich weder eine schwarz-gelbe noch eine rotgrüne
oder schwarz-grüne Zweierkoalition möglich. Die LINKE hätte
sich im Parteienwettbewerb von der Stimme gegen soziale Ausgrenzung
und Respektlosigkeit gegenüber der Arbeit, von der Anti-Hartz-IVPartei,
zur Repräsentantin eines größeren Teils der sozialstaatlich
orientierten Arbeitnehmerinteressen gewandelt. Gleichzeitig würden
neue Erwartungen gestellt: Der Übergang von Protest zur Interessendurchsetzung
als prägendes Bild wäre der nächste notwendige Schritt,
denn Stammwählerschaften bilden sich weniger um Ideologien und mehr
entlang im eigenen Lebensalltag wahrgenommener positiver Veränderungen,
also Erfolgen der Stimmabgabe.
Auf diesen nächsten qualitativen Schritt in der Etablierung einer
Partei links von der SPD zielt die 2008 beginnende Programmdebatte
der LINKEN. Neben dem Aufbau lebendiger, arbeitsfähiger Parteistrukturen
insbesondere in den westdeutschen Bundesländern ist die Programmdebatte
die zweite Baustelle, um aus der ‚Gelegenheitspartei’
eine politisch konturierte und im Alltagsleben verankerte Mitgliederpartei
zu machen. Noch ist die LINKE eine Partei der organisatorischen
Asymmetrien, politischen Disparitäten sowie von unterschiedlichen
politischen Strömungen und Traditionen, die sich im Jahr 2005
darauf verständigten, gemeinsam erfolgreich sein zu wollen. Eine
kommunal verankerte Volkspartei mit Gestaltungsanspruch Ost traf auf
eine ‚Bewegung weg von der Sozialdemokratie’ West. Die Sichtweisen
und Prioritäten eines ehemaligen sozialdemokratischen Gewerkschafters,
der im Westen am Aufbau einer neuen Partei mitwirkt, nicht zuletzt,
um die Handlungsspielräume für gewerkschaftliche Politik zu
vergrößern, sind notwendigerweise andere als diejenigen einer ostdeutschen
Landespolitikerin, deren Fraktion Oppositionsführerin und
stärker als die SPD ist, was in den neuen Ländern häufig vorkommt.
Dieser Prozess der Parteibildung wird rechtzeitig vor den kommenden
Bundestagswahlen soweit abgeschlossen werden müssen, dass die LINKE
nicht nur als Korrektiv einer entsozialdemokratisierten SPD, sondern
als eigenständige politische Kraft erkennbar ist.
4
3 Agieren in der Repräsentanzlücke
Die LINKE ist zum bundespolitischen strategischen Akteur geworden,
weil die anderen Parteien den Kontakt zu einem größeren Teil der
Wählerschaft verloren haben, weil sie gegen deren Interessen Politik
entwickelten. Die Wahl- und die Sozialforschung haben diese Wählergruppen
als ‚Globalisierungsverlierer’, als enttäuschte ‚Sozialstaatsklientel’
im mittleren Alter oder als ‚Prekariat’ dingfest zu
machen versucht. Tatsächlich geht der Bruch mit der SPD, auch der
CDU, tiefer. Er verdankt sich der Wahrnehmung, dass die Politik in
der neoliberalen Ära gegen die Arbeit gerichtet war, dass die Interessen
der arbeitenden Bevölkerung in den mittleren und unteren Etagen
der sozialen Hierarchie gegenüber den Interessen der leitenden
und vermögenden Teile der Bevölkerung systematisch im Hintertreffen
waren. Der Bruch verdankte sich der Erkenntnis, dass einem Leben von
eigener Arbeit, ohne Zins- und Aktionärseinkommen, ohne großartige
private Rückversicherungen, die Zukunft verbaut ist und eben nicht
mehr offen steht. Von der LINKEN wird daher nicht mehr, aber eben
auch nicht weniger erwartet, als auf die hierfür politisch symbolträchtigen
Bruchstellen immer wieder hinzuweisen: Mindestlohn, Rente
mit 67, öffentliche Aufgaben usw.
Ihre Rolle als strategischer Akteur, der Politik treibt, kann die
LINKE bis auf weiteres nur durch eigenes Verschulden verlieren. Jeder
Kurswechsel der SPD bestätigt die LINKE. Der wirtschaftliche
Aufschwung und die schiefe Verteilung der Produktivitätsgewinne unterstreichen,
dass sich die neoliberalen Versprechen, durch Verzicht
und Zurückhaltung zu neuen Wohlstandsgewinnen zu kommen, für viele
eben nicht erfüllt haben, dass die soziale Zerrissenheit der Gesellschaft
trotz Aufschwung zu- und eben nicht abnimmt. Der Erfolg der
LINKEN steht für den in der Bevölkerung breit vorhandenen Wunsch,
der wirtschaftlichen Entwicklung, der Globalisierung, der wachsenden
Produktivität durch klugen wie entschiedenen politischen Einsatz so
viel Wohlstand und soziale Sicherheit als Planungsgrundlage für ein
risikoreicher gewordenes Leben abzuringen wie nur möglich. Dieses
Bestreben hat weder etwas mit Sozialstaatstraditionalismus noch mit
Sozialkonservatismus zu tun. Traditionell erscheint es nur, weil gegen
eine ‚modernisierte’ SPD das sozialdemokratische Uranliegen behauptet
werden muss: unter grundlegend veränderten wirtschaftlichen
Bedingungen ein möglichst hohes Maß an sozialem Zusammenhalt, sozialer
Integration und sozialem Wohlstand für die Arbeiter herzustellen
und ihre Partizipation an den politischen Entscheidungsprozessen
durchzusetzen.
. Der wirtschaftlicheAufschwung und die schiefe Verteilung der Produktivitätsgewinne unterstreichen,
dass sich die neoliberalen Versprechen, durch Verzicht
und Zurückhaltung zu neuen Wohlstandsgewinnen zu kommen, für viele
eben nicht erfüllt haben, dass die soziale Zerrissenheit der Gesellschaft
trotz Aufschwung zu- und eben nicht abnimmt. Der Erfolg der
LINKEN steht für den in der Bevölkerung breit vorhandenen Wunsch,
der wirtschaftlichen Entwicklung, der Globalisierung, der wachsenden
Produktivität durch klugen wie entschiedenen politischen Einsatz so
viel Wohlstand und soziale Sicherheit als Planungsgrundlage für ein
risikoreicher gewordenes Leben abzuringen wie nur möglich. Dieses
Bestreben hat weder etwas mit Sozialstaatstraditionalismus noch mit
Sozialkonservatismus zu tun. Traditionell erscheint es nur, weil gegen
eine ‚modernisierte’ SPD das sozialdemokratische Uranliegen behauptet
werden muss: unter grundlegend veränderten wirtschaftlichen
Bedingungen ein möglichst hohes Maß an sozialem Zusammenhalt, sozialer
Integration und sozialem Wohlstand für die Arbeiter herzustellen
und ihre Partizipation an den politischen Entscheidungsprozessen
durchzusetzen.
4 „Reclaim the public“ - Erneuerung der Demokratie
Die alten Rezepturen der Sozialdemokratie helfen dabei nur begrenzt
weiter. Unter neuen Bedingungen braucht es auch neue Wege und Lösungen.
Das stellt die LINKE vor neue, andersartige strategische und
politik-konzeptionelle Aufgaben. Hierfür braucht sie für die Zeit
nach den nächsten Bundestagswahlen ein neues übergreifendes strate5
5gisches Projekt, das es erlaubt, unterschiedliche und in Grenzen
auch gegensätzliche soziale Interessenlagen zu bündeln. Ein solches
Projekt wird sich um die Wiederentdeckung des Öffentlichen gruppieren:
Soziale Integration, Chancengleichheit, soziale und politische
Partizipation brauchen den staatlichen Akteur und den öffentlichen
Sektor als Barriere gegen das weitere Vordringen marktwirtschaftlicher
Prinzipien in den Bereich des öffentlichen Lebens,
gegen die ‚Verbetriebswirtschaftlichung’ des sozialen und
kulturellen Lebens.
Soziale Integration, Chancengleichheit, soziale und politischePartizipation brauchen den staatlichen Akteur und den öffentlichen
Sektor als Barriere gegen das weitere Vordringen marktwirtschaftlicher
Prinzipien in den Bereich des öffentlichen Lebens,
gegen die ‚Verbetriebswirtschaftlichung’ des sozialen und
kulturellen Lebens.
Die ‚Schutzmacht des kleinen Mannes’ wird sich daran messen
müssen, ob die Unverkäuflichkeit unverzichtbarer öffentlicher
Güter ganz oben auf der Agenda steht, eben weil sie wichtig für
alle sind. Linke Politik erweist sich aber nicht an der Verstaatlichung,
sondern daran, ob es ihr gelingt, öffentliche Unternehmen
einer demokratisch legitimierten Lenkung zu unterstellen;
ob es ihr gelingt, sie zu effizienten, transparenten,
bürgernahen, auf der Höhe der Erwartungen der Bürgerinnen
und Bürger arbeitenden Dienstleistern mit motivierten Beschäftigten
zu machen; ob es ihr gelingt, mittels einer demokratisch
eingebundenen Kommunalwirtschaft regionale Wertschöpfung zu
stärken und sozial-ökologische Handlungsspielräume gegen transnationale
Konzernmacht zu öffnen; und ob es ihr gelingt, eine
attraktive öffentliche Infrastruktur für die lebenswichtigen
öffentlichen Güter von Wasser und Energie über Verkehr und Bildung
bis hin zu Information und Kommunikation sicherzustellen.
Die ‚Schutzmacht des kleinen Mannes’ wird sich daran messenmüssen, ob die Unverkäuflichkeit unverzichtbarer öffentlicher
Güter ganz oben auf der Agenda steht, eben weil sie wichtig für
alle sind. Linke Politik erweist sich aber nicht an der Verstaatlichung,
sondern daran, ob es ihr gelingt, öffentliche Unternehmen
einer demokratisch legitimierten Lenkung zu unterstellen;
ob es ihr gelingt, sie zu effizienten, transparenten,
bürgernahen, auf der Höhe der Erwartungen der Bürgerinnen
und Bürger arbeitenden Dienstleistern mit motivierten Beschäftigten
zu machen; ob es ihr gelingt, mittels einer demokratisch
eingebundenen Kommunalwirtschaft regionale Wertschöpfung zu
stärken und sozial-ökologische Handlungsspielräume gegen transnationale
Konzernmacht zu öffnen; und ob es ihr gelingt, eine
attraktive öffentliche Infrastruktur für die lebenswichtigen
öffentlichen Güter von Wasser und Energie über Verkehr und Bildung
bis hin zu Information und Kommunikation sicherzustellen.
Die Wiederentdeckung des Öffentlichen gegen die ideologischen
Allmachtsphantasien des Marktes und des profitorientierten
Wettbewerbs ist die nahe liegende nächste Etappe für die neue
LINKE. Die Gestaltung des öffentlichen Eigentums, der öffentlichen
Daseinsvorsorge und der öffentlichen Güter wird zu den
zentralen Feldern zukünftiger politischer Auseinandersetzungen
gehören. Denn hierbei geht es sowohl um Fragen der demokratischen
Partizipation als auch um Fragen der sozialen Partizipation:
Setzt sich ein Verständnis von öffentlicher Verantwortung
durch, die mit der Bereitstellung eines soziokulturellen Minimums
erfüllt ist, oder geht es darum, das wirtschaftlich und
politisch Mögliche als allgemeine Wohlstandsgewinne öffentlich
zugänglich zu machen?
Die Wiederentdeckung des Öffentlichen gegen die ideologischenAllmachtsphantasien des Marktes und des profitorientierten
Wettbewerbs ist die nahe liegende nächste Etappe für die neue
LINKE. Die Gestaltung des öffentlichen Eigentums, der öffentlichen
Daseinsvorsorge und der öffentlichen Güter wird zu den
zentralen Feldern zukünftiger politischer Auseinandersetzungen
gehören. Denn hierbei geht es sowohl um Fragen der demokratischen
Partizipation als auch um Fragen der sozialen Partizipation:
Setzt sich ein Verständnis von öffentlicher Verantwortung
durch, die mit der Bereitstellung eines soziokulturellen Minimums
erfüllt ist, oder geht es darum, das wirtschaftlich und
politisch Mögliche als allgemeine Wohlstandsgewinne öffentlich
zugänglich zu machen?
Dietmar Bartsch ist Mitglied des Deutschen Bundestages und Bundesgeschäftsführer
der LINKEN.