Austausch des derzeitigen Abschnitts zur „Zentralität der ökologischen Frage“ durch folgende Textfassung:
Der globale Kapitalismus versagt nicht nur sozial und ökonomisch, sondern auch ökologisch. Notwendig sind Entscheidungen mit längerfristiger Perspektive und bei Berücksichtigung langer Zyklen der Natur. Diese Betrachtungsweise steht jedoch in tiefem Widerspruch zum kurzfristigen Profitkalkül.
In den vergangenen 250 Jahren basierten Wachstum und Entwicklung vor allem auf der Nutzung fossiler Energieträger, zunächst der Kohle und dann Erdöl sowie Erdgas. In Folge der Verbreitung fossiler Energiesysteme wuchs der Druck auf das Ökosystem. Wälder wurden gerodet, die Artenvielfalt geht dramatisch zurück, Meere, Böden, Feuchtgebiete und Felder sind übernutzt.
Das industrielle Wirtschafts- und Zivilisationsmodell, sowohl in den kapitalistischen Staaten als auch in den früheren staatssozialistischen Staaten, ging lange Zeit davon aus, dass die fossilen Ressourcen zwar endlich sein werden, ihr Ende aber noch lange nicht abzusehen sei. Dementsprechend fand ein Raubbau an Natur und Ressourcen statt. Tatsächlich wird der Höhepunkt der fossilen Förderung in absehbarer Zeit erreicht sein. Danach ist das Angebot von fossiler Energie rückläufig, während die Nachfrage infolge des immer noch riesigen Bedarfs an fossilen Energien in den Industrieländern und den Schwellenländern steigt.
Ein Umsteuern ist unumgänglich, da der weltweite Ressourcenverbrauch innerhalb eines Jahres derzeit etwa ebenso viel fossile Energieträger unwiderruflich vernichtet, wie sich innerhalb einer Million Jahre herausgebildet haben. Wir sind heute von zwei unterschiedlichen Umweltkrisen betroffen: Der Krise fossiler Ressourcen und der Krise der natürlichen Umwelt.
Die Auswirkungen dieser Umweltkrisen sind global höchst ungerecht verteilt. Sowohl international als auch innerstaatlich. Den Industrie- und Schwellenländern mit ihrem hohen Ressourcenverbrauch stehen die armen Entwicklungsländer gegenüber, in denen nicht einmal die Ernährung der Bevölkerung gesichert ist.
Die ungleiche Aneignung von Ressourcen findet jedoch auch in jedem Land statt. Reiche leben über ihre Verhältnisse und berauben die Armen ihrer Ressourcen. Die Spaltung der Gesellschaften in Gewinner und Verlierer einer neoliberalen Globalisierung in ausufernden Luxuskonsum und wachsenden Hunger sind zwei Seiten einer Medaille.
Wenn die natürlichen Ressourcen immer knapper werden, stellt sich nicht mehr die Frage, ob es genügend Naturressourcen gibt, sondern wie sie verteilt werden, wenn sie zur Neige gehen. Ressourcenkonflikte haben das Potenzial, den Frieden zu gefährden – innerstaatlich und subnational. Ein schonender Umgang mit den Naturgütern ist eine wesentliche Voraussetzung für die Lösung und Vermeidung von Konflikten.
Die große Herausforderung zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Klimawandel. Um den Anstieg der Temperaturen auf der Erde zu begrenzen, muss der Verbrauch fossiler Energien radikal eingeschränkt werden. Technische Lösungen wie die Kohlendioxidspeicherung haben unkalkulierbare Risiken und Nebenwirkungen und verzögern nur den notwendigen Einstieg in ein ressourcengerechtes Wohlstandsmodell.
In einer begrenzten Welt sind Wachstum und Entwicklung künftig nur dann denkbar, wenn sie mit immer sinkenden Umweltschäden und einem regenerativen Energiekonzept verbunden sind.
Die Lösung der sozialen und ökologischen Herausforderungen und damit auch die Schaffung dauerhaften Friedens erfordert Gerechtigkeit. Ohne Ökologie wird Gerechtigkeit keine Chance haben. Damit ist jedoch deutlich: Eine ökologisch nachhaltige Entwicklung steht im Widerspruch zur Profitdominanz herkömmlicher kapitalistischen Wachstumslogik. Sie wird damit zur Systemfrage.