17.01.2009
EUROPÄISCHE INTEGRATION STATT NATIONALSTAATLICHER BORNIERTHEIT
Resolution des 4. Bundeskongresses des
forums demokratischer sozialismus
Ein
erfolgreiches Abschneiden der Partei DIE LINKE bei den Europawahlen ist
eines der zentralen Herausforderungen unserer Partei im anstehenden
Superwahljahr. Es wird Stimmungsbarometer für die darauf folgenden
Landtags- und Bundestagswahlen sein. Das Europawahlprogramm wird für
die Außenwirkung der LINKEN von erheblicher Bedeutung sein.
In die
Debatte um das Europawahlprogramm haben sich Mitglieder des forum
demokratischer sozialismus frühzeitig mit ihrem Aufruf „Es könnte so
vieles besser sein – auch in der EU“ eingebracht, und deutlich gemacht,
dass sie die Position unserer beiden Parteivorsitzenden, Oskar
Lafontaine und Lothar Bisky unterstützen: DIE LINKE ist eine
pro-europäische Partei. Gleichzeitig musste in dem veröffentlichten
Aufruf aber auch darauf hingewiesen werden, dass es noch „vor Monaten
nur schwer möglich war, einen positiven Bezug der neu entstandenen
Partei DIE LINKE zu Europa herzustellen.“ Bis jetzt ist die Debatte
darüber, welches Verhältnis DIE LINKE zur Europäischen Union einnimmt,
noch nicht entschieden. Traditionelle Strömungen in der
außerparlamentarischen Linken sowie in der Partei neigen dazu, an
anti-europäische Ressentiments in der Bevölkerung anzuknüpfen und reden
pauschal und undifferenziert einem Boykott der Europäischen Union das
Wort.
Der anti-europäischen Haltung einiger Linker stellen wir uns
entgegen. Wir streiten für die europäische Integration, für ein
demokratisches, friedliches und sozial gerechtes Europa: Wir kämpfen
für ein Europa, das allen Menschen gleichwertige Lebensbedingungen
garantiert.
Die inhaltlichen Diskurse um das Verhältnis der LINKEN
zur Europäischen Union, die am vergangenen Wochenende mit der Beratung
des Bundesausschusses ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten, haben
unsere Befürchtungen leider nicht ausreichend entkräften können.
Genossinnen und Genossen, die die europäische Handlungsebene als
politische Herausforderung begriffen haben und auch in Europa für den
Demokratischen Sozialismus streiten wollen, wurde aus der Partei heraus
ein „abstraktes Bekenntnis zur europäischen Integration“ unterstellt.
Dabei
haben die Mitglieder und Sympathisanten des fds bereits 2007 mit ihrem
Gründungsaufruf „Also träumen wir mit hellwacher Vernunft“ deutlich
gesagt, dass ihr Handeln ein strategisches Dreieck bestimmt: „Zwischen
Protest, Gestaltungsanspruch und über die derzeitigen Verhältnisse
hinaus weisenden demokratisch-sozialistischen Alternativen spannt sich
demnach der politische Raum auf, in dem sich die Partei erfolgreich
bewegen kann. Politisches Handeln einer demokratisch-sozialistischen,
einer linken Partei muss eine produktive Balance zwischen diesen drei
Elementen herstellen.“ Dies galt und gilt für uns in Deutschland und
dieser Anspruch gilt für uns auch und gerade auf europäischer Ebene.
Deshalb formulierten wir weiter: „Wir setzen uns dafür ein, dass unsere
neue Linkspartei die europäische Integration und die Erweiterung der
Europäischen Union auf gleichberechtigter, solidarischer, ziviler und
demokratischer Grundlage ebenso befürwortet, wie dies die PDS getan
hat.“
Wir wissen, dass europäische Politik, dass europäische
Integration nichts abstraktes ist. Europäische Politik findet eben
nicht nur in Brüssel, Straßburg oder Luxemburg statt. Darauf haben
nicht zuletzt die vier europapolitischen SprecherInnen ostdeutscher
Landtagsfraktionen in ihrem Text „Europa ist mehr als der Kampf gegen
Lissabon“ hingewiesen. Sie schreiben: „Jedes Mal, wenn die Menschen den
Wasserhahn aufdrehen, wenn sie Strom verbrauchen, wenn sie den
öffentlichen Nahverkehr nutzen, ist die EU im Spiel – ob nun mit
Vorschriften, mit Fördermitteln oder mit europäischen Leitungsnetzen.“
Europäische
Politiken wirken tief in den Gesellschaften der Mitgliedsstaaten der
Europäischen Union. In der Kommune genauso wie im Land und im Bund.
Wenn eine europäische Arbeitszeitrichtlinie verabschiedet wird, dann
hat das ganz konkrete Auswirkungen, von Flensburg bis Obersdorf, von
Saarbrücken bis Oybin.
Wir bleiben dabei: Nicht die europäische
Einigung an sich ist eine Bedrohung, sondern die neoliberale Politik
von Sozialabbau und Deregulierung, die Ausgrenzung von Menschen in Not
und die Ausweitung des Überwachungsstaates, die nicht nur in der EU,
sondern auch in Deutschland und in den anderen Mitgliedsstaaten
betrieben wird. In Deutschland und in Europa kämpfen wir für andere
Inhalte, andere Mehrheiten, eine andere Politik.
Vor diesem
Hintergrund wäre es geradezu fahrlässig, wenn DIE LINKE die europäische
Handlungsebene verneint, anstatt für die Interessen aller Menschen in
Europa zu streiten. In den Kommunen, im Land und im Bund kämpft DIE
LINKE für die Interessen von Erwerbslosen, sozial Schwachen,
Ausgegrenzten, Migrantinnen und Migranten und Entrechteten. Wir tun
dies gemeinsam mit Gewerkschaften und sozialen Bewegungen – warum
sollten wird dies nicht auch in Europa tun?
Auch in Europa sind die
Einkommen, Lebensbedingungen und Entfaltungsmöglichkeiten höchst
ungerecht verteilt – zwischen alten und neuen Mitgliedsstaaten,
zwischen West und Ost, Zentren und Peripherien.
Vor diesem
Hintergrund sehen wir die Notwendigkeit, aber auch die Chancen, die die
europäische Integration bietet, um unsere Ziele nach einer friedlichen,
gerechten, sozialen, freiheitlichen und ökologischen Union in Europa zu
erreichen und für gleiche Lebensbedingen für alle zu kämpfen. Und so
unterstützen wir den Programmspruch des im Oktober vorgelegten
Programmentwurfs für die Europawahlen, in dem es heißt: „Wir sagen Nein
zu dieser Politik, gerade weil wir FÜR die europäische Integration
sind.“
Es greift zu kurz, wenn DIE LINKE sich mit einer allgemeinen
Kritik an der EU in die politischen Auseinandersetzungen begibt und
somit die Verantwortung für die Ergebnisse einer verfehlten Politik
allein auf die europäische Ebene abgewälzt. Auch europäische Politik
ist nicht abstrakt, sie hat konkrete Verantwortungsträger: Die Politik
der Europäischen Union wird durch die Politiken der Regierungen der
Mitgliedsstaaten bestimmt und nicht erst in EU-Kommission und Rat
entworfen. In beiden Institutionen sind direkt wie indirekt die
Regierungen der Mitgliedsstaaten der EU verankert und aktiv. Eine
LINKE, die gewählt werden will, muss den Wählerinnen und Wählern Gründe
benennen können, konkrete Forderungen, für die es sich lohnt, eine
starke Fraktion der LINKEN in das europäische Parlament zu wählen.
Es
greift zu kurz, nur die Nachteile der EU zu benennen. Die Erfolge der
Europäischen Union bei dem Abbau von Vorurteilen, bei einer
Antidiskriminierungspolitik, für die es in Deutschland sicherlich keine
Mehrheiten gegeben hätte und die Tatsache, dass ohne die
Regionalpolitik der EU die sozialen Verwerfungen zwischen
prosperierenden Zentren und abgehängten Peripherien noch größer wären,
können wir als Linke nicht abstreiten.
Auch wenn wir gegen die
Hegemonie neoliberaler Wirtschaftsstrategien und die Militarisierung
der europäischen Politik entschieden kämpfen: Hinter die Idee der
Europäischen Union für ein integrierendes friedliches Europa kann es
kein Zurück geben.
Dem Gedanken einer friedlichen europäischen
Integration fühlen wir uns gerade vor dem Hintergrund der deutschen
Geschichte, dem Chauvinismus gegenüber den Nachbarstaaten und der
Schuld an zwei Weltkriegen verpflichtet.
Das Schüren
anti-europäischer Ressentiments gehört zum Grundrepertoire
neofaschistischer Kräfte. Sie hetzen pauschal „gegen Brüssel“, gegen
die Aufhebung der Grenzkontrollen nach Osteuropa und gegen die längst
überfällige Herstellung von Arbeitnehmerfreizügigkeit. Die Rechte
kämpft für die reaktionäre Wiederbelebung des Nationalstaates, für die
vermeintlich „eigene“ Bevölkerung zu Lasten von Menschen mit anderer
Staatsangehörigkeit, insbesondere zu Lasten Osteuropas. Linke Politik
aber ist, europaweit und weltweit gegen Lohndumping und gegen die
Verdrängung von Menschen in illegale und ungesicherte
Beschäftigungsverhältnisse einzutreten. Auch deshalb kann es kein
Ansatz moderner, undogmatischer linker Politik sein, explizit oder
implizit der Rückbesinnung auf den nationalstaatlichen
Handlungsspielraum das Wort zu reden.
DIE LINKE als Teil der Europäischen Linken
Nach
vielen Jahrzehnten der Spaltung ist es der Europäischen Linken unter
dem Vorsitz von Lothar Bisky gelungen, eine gemeinsame europäische
Wahlplattform zu verabschieden. In dieser heißt es: „Die
Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft können nicht von
einzelnen Ländern bewältigt werden. Wir sagen: Es gibt Alternativen.
Die Politiken auf nationaler sowie europäischer Ebene müssen verändert
werden“.
Für uns ist klar, dass die politischen Verhältnisse in der
EU nicht verändert werden können, wenn nicht gleichzeitig die
politischen Verhältnisse in den Mitgliedsstaaten der Union verändert
werden. Deshalb kämpft DIE LINKE als Teil der Europäischen Linkspartei
für andere gesellschaftliche, für linke Mehrheiten und Veränderungen in
Europa und in Deutschland.
Als Mitglieder der Europäischen Linkspartei haben wir in der gemeinsamen Wahlplattform deutlich hervorgehoben:
„Die EU befindet sich an einem Scheideweg:
. entweder setzt sie ihre bisherige Politik fort und vertieft damit ihre finanzielle, Sicherheits-, Nahrungs- und Energiekrise;
. oder die EU wandelt sich in ein Gebilde der nachhaltigen Entwicklung
und sozialen Gerechtigkeit, des Friedens und der gegenseitigen
Kooperation, der Gleichberechtigung von Frauen und Männern, der
demokratischen Partizipation und Solidarität, in einen Ort, wo
Nationalismus, Extremismus, Rassismus und politischer Fundamentalismus
keinen Platz finden und wo demokratischer Antifaschismus eine gängige
Praxis ist.“
Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise lässt
sich eben nicht mehr nur über den nationalen Rahmen bewältigen.
Arbeitslosigkeit und Armut können nur kollektiv und in einem
europäischen Rahmen wirksam bekämpft werden. Wir fordern deshalb „Gute
Arbeit, Gute Löhne, Gute Rente in ganz Europa“, angefangen mit einem
europäischen Mindestlohnstandard, über hohe europäische Sozialstandards
bis hin zu europaweiten Armutsbekämpfungsmechanismen. Leiharbeit und
Niedriglohn müssen gleichzeitig national und europaweit bekämpft
werden. Ziel ist es, die staatliche Sanktionierung der Ausbeutung von
abhängig Beschäftigten aufzubrechen und die Lohnspirale nach unten zu
stoppen – gerade auch im Interesse der Menschen in den
Mitgliedsstaaten, die deutlich geringere Löhne und Einkommen haben als
Deutschland.
Gemeinsam mit unseren Genossinnen und Genossen in
der Europäischen Linkspartei, aber auch darüber hinaus, engagieren wir
uns für eine gestärkte, gemeinsame linke Fraktion im Europäischen
Parlament. Diese Fraktion muss linke Kräfte unterschiedlichster
Tradition vereinen und den Menschen in der EU sowie unseren
Partnerinnen und Partnern in den außerparlamentarischen Bewegungen eine
weithin vernehmbare Stimme in Europa geben.
Für Bürger- und Menschenrechte und die Demokratisierung der EU
Aus
unserem Anspruch heraus, „soziale Menschenrechte und individuelle
Freiheitsrechte zusammen zu bringen und so eine zukünftige Gesellschaft
sozialer Gerechtigkeit und individueller Freiheit zu ermöglichen“,
lehnen wir demokratische Sozialistinnen und Sozialisten jeden Versuch
ab, beide Grundrechte gegeneinander zu setzen. Die neoliberal geprägten
Sozial- und Wirtschaftspolitiken der europäischen Regierungen befördern
den Abbau von individuellen Freiheitsrechten und sozialen
Menschenrechten gleichermaßen. Sozialabbau geht europaweit einher mit
wachsendem Überwachungsdruck. Schengen ist kein Codewort für die
Bewegungsfreiheit der Menschen in der EU, sondern steht für repressive
Fahndungsinstrumente und Ausgrenzung von Flüchtlingen. Ein europäisches
Asylsystem, dass diesen Namen nicht verdient, wird technisch
hochgerüstet zur Flüchtlingsjagd an den Außengrenzen und innerhalb der
EU aufgebaut. Wir wollen keine Festung Europa. Auch deshalb setzen wir
uns für die sofortige Abschaffung der EU-Grenzschutzagentur FRONTEX
ein. Die weitere europaweite Verschränkung von Polizei- und
Geheimdienstarbeit muss ebenso verhindert werden, wie die zunehmende
Militarisierung der europäischen Innenpolitik. Diese folgt seit Jahren
einer wachsenden Militarisierung europäischer Außenpolitik, die über
die Mitgliedsstaaten der EU forciert wird.
Im Kampf für andere
gesellschaftliche und politische Mehrheiten in Europa und in
Deutschland sehen wir die Chance, den „Aufrüstungszwang“ auszuhebeln
und die EU samt ihrer Mitgliedsstaaten in ein friedliches System
kollektiver Sicherheit in Europa einzubinden. Das zentrale Instrument
hierfür stellt eine zu stärkende OSZE dar. Wir wenden uns somit gegen
jedwede Strategie, die Europäische Union zu einem zweiten, dritten oder
vierten (militärischen) Machtblock in der Weltgemeinschaft zu
etablieren.
Auch deshalb streitet das fds für eine grundlegende
Neuordnung des europäischen Institutionengefüges, für eine
Demokratisierung der europäischen Realitäten. Wir setzen uns für eine
Stärkung des Europäischen Parlaments ein, das mit umfassenden Rechten,
wie einem Initiativrecht, ausgestattet werden muss. Wir setzen uns für
eine umfassende, öffentliche und transparente Kontrolle aller
EU-Institutionen durch das Europäische Parlament und die Bürgerinnen
und Bürger der Union ein. Hierfür ist nach dem Scheitern der
EU-Verfassung und des Lissabonner Vertrages eine neue vertragliche
Grundlage für die Europäische Union notwendig, über die alle Menschen,
die in der EU leben, in einer Volksabstimmung abstimmen können. Die EU
braucht Instrumente der aktiven und direkten Bürgerbeteiligung. Wir
fordern verbindliche und europaweite Bürgerbegehren.
Wir wollen eine
Stärkung der Bürgerrechte, eine Ausweitung der Unionsbürgerschaft und
perspektivisch eine europäische Staatsbürgerschaft, die sich auf alle
in der EU aufhältigen Menschen erstreckt.
Gemeinsam für den Wechsel
In
den Wendejahren 1989/90 stimmte uns als demokratische Sozialistinnen
und Sozialisten in Ost und West gleichermaßen hoffnungsvoll, dass die
Perspektive nicht ein deutsches Europa, sondern ein europäisches
Deutschland war. Die damalige PDS hat für ein in Europa integriertes
Deutschland gestritten und gegen ein vereinigtes Deutschland, das
Großmachtinteressen in Europa durchsetzen wollte, gekämpft. Aus diesem
Bewusstsein heraus haben die Mitglieder der PDS frühzeitig die
europäische Ebene als erweiterten politischen Handlungsrahmen
angenommen und die europäische Integration als Chance begriffen.
Mitglieder und Mandatsträger waren in vielfältigen europapolitischen
Debatten, in vielen Vereinigungen und europäischen Kampagnen aktiv.
1999 schließlich gelang der PDS erstmals der Einzug in das Europäische
Parlament. Dort haben wir uns seitdem für eine europäische
Öffentlichkeit und Demokratie eingesetzt und uns gegen die
Militarisierung der Außenpolitik und für ein soziales Europa engagiert.
In
der aktuellen Legislatur des EP, die sich nun ihrem Ende neigt, haben
sich unsere Abgeordneten in einer für die Partei schwierigen Zeit
aufgemacht, um für die Menschen in Europa zu arbeiten. Wir bedanken uns
für das Engagement unserer Fraktionsmitglieder u.a. gegen die
Hafenrichtlinie und die Dienstleistungsrichtlinie, gegen die
Vorratsdatenspeicherung und für ein freiheitliches Europa, für
Menschenrechte und Frieden.
Die PDS hat immer als
internationalistische, als europäische Partei Politik entwickelt und
Positionen vertreten. Uns ging es seit der Wende immer um ein
gemeinsames Europa, welches über die heutigen Grenzen der EU
hinausreicht. Deshalb sind wir in Europa aktiv geworden und deshalb
wollten wir die EU verändern. Auch die ehemalige WASG hat sich diesem
politischen Ansatz verschrieben, ist sie doch nach ihrer Gründung der
damals noch jungen Europäischen Linkspartei beigetreten. Auf dieser
Basis und vor diesem Hintergrund ist auch das Handeln der 2007
gegründeten Partei DIE LINKE im Jahr 2009 bestimmt.
Gemeinsam kämpfen wir für:
. eine EU, die gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Europa schafft,
anstatt das neoliberale Projekt von Sozialabbau und Privatisierung
weiter zu befördern,
. eine EU, die Rassismus, Antisemitismus und
Fremdenfeindlichkeit bekämpft und in der sowohl die sozialen
Menschenrechte, als auch die individuellen Freiheitsrechte garantiert
werden,
. eine EU, die eine Sicherheitspolitik verfolgt, die zivile
Konfliktlösung und –prävention statt Repression und Ausgrenzung zum
Ziel hat,
. eine offene, transparente und demokratische EU, die
sich den zahlreichen Einflüssen von Lobbyisten entzieht und Bürgerinnen
und Bürger in politischen Entscheidungsprozessen aktiv beteiligt,
.
eine EU, die mit ihren Mitgliedsstaaten eine faire Handelspolitik
betreibt, die nicht militärische Konflikte nach sich zieht und Armut
und Hunger in den Entwicklungsländern befördert,
. eine EU, die
sich zusammen mit ihren Mitgliedsstaaten dem Klima-, Umwelt- und
Tierschutz verpflichtet und für eine nachhaltige ökologische
Entwicklung weltweit aktiv ist,
. eine EU, die Freiheit und
Offenheit als Gewinn für Gesellschaften in politischer, sozialer,
wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht begreift und die die
Diskriminierung und die Verfolgung von Flüchtlingen und Minderheiten
bekämpft und sich für soziale und individuelle Bürger- und
Menschenrechte weltweit und in den Mitgliedsstaaten der Union selbst
engagiert und
. eine europäische Wirtschaftspolitik, die diesen
Namen verdient, die die gemeinsame Währungs- durch eine gemeinsame
Wirtschafts- und Sozialpolitik untersetzt.
Die demokratische,
soziale und zivile Ausgestaltung der Europäischen Union, eine starke
demokratisch-sozialistische Stimme im Europäischen Parlament ist eine
von vielen Antworten gegen die neoliberale Globalisierung.
Diese
Ebene kann angesichts international vernetzter Wirtschafts- und
Finanzströme zu Lasten der Entwicklungsländer und abgehängter Regionen
in der Politik der LINKEN nicht an den Rand gedrängt werden. Im
Gegenteil:
Der Internationalisierung des Kapitalverkehrs setzen wir
die internationale Solidarität der abhängig Beschäftigten, sozial
Schwachen und Ausgegrenzten entgegen. Die LINKE muss dafür mit einer
starken Fraktion in Europäischen Parlament ihre Stimme erheben.
Es
muss darum gehen, die Wirtschaftspolitik der EU zu ändern,
Sozialstandards und Umweltstandards sowie die Mitbestimmung der
Bürgerinnen und Bürger zu institutionalisieren, um Sozialdumping und
Umweltzerstörung zu verhindern, eine friedliche Entwicklung
voranzutreiben und mehr Demokratie durchzusetzen. Ein „Zurück zum
Nationalstaat“ lehnen wir ab, weil dies ebenso falsch wie wirkungslos
wäre.
Die Veränderung der Europäischen Union ist deshalb ein linkes Projekt!
Einstimmig beschlossen am 17. Januar 2009